Sonntag, 2. August 2009

Mittel Alter

"Oh, der Recke scheint hungrig und lüsternen Gemütes zu sein." Wie bitte? Dabei wollte ich ja nur eine Ritterstange (längliches Brezelgebäck) erwerben und habe versehentlich mit der Maid (Dame) hinter dem Tresen ein wenig geflirtet. Nun ja, mit drei der Goldtaler weniger und einem hochroten sowie gesenkten Haupt zog ich von dannen.


So kann's
einem gehen, wenn man in Sachen Mittelalter-Event noch nicht allzu geübt ist. Aber man kommt schnell rein - wenn man denn will. Am besten gelingt der Einstieg in dem man selbst in eine Rolle schlüpft. Mein Kostüm besteht aus einem Landsknecht-Hemd (zweifarben, lasziv-locker gebunden), einer schwarzen Leinenhose und einem Umhang mit Guggel (nein, nicht die Suchmaschine), welcher bis knapp über den Boden reicht. Mein mittelalterliches Modebewusstsein zeugt leider nicht gerade von einem hohen Stand, weshalb ich mich künstlich mit einem silbernen Drachenamulett, an einem Lederband hängend, aufgepimpt habe.

Gewisse Vorteile des Zeitsprungs in's Mittelalter sind nicht von der Hand zu weisen. Kein Handy oder Push-E-Mail, welches einem von einer Pöbelei mit einem anderen Heerlager oder dem bereits erwähnten Flirt mit der Schankmaid abhaltet. Speisen dürfen - ja müssen sogar - von Hand gegessen werden. Krischbier, Met und andere Wässerchen können ohne Grund auch auf den Tresennachbar verschüttet werden. Unter dem Mittelalter-Kostüm darf hemmungslos geschwitzt und darüber gestunken werden. Kurzum wenn man nicht gerade als edler Ritter - wie langweilig - unterwegs ist, kann man seine Manieren getrost zu Hause lassen; sofern man den welche hat.

Die dunklen Seiten des Mittelalter bahnen sich durch den beiläufigen Satz des Nachtwächters an: "Man höre im Nachbarsdorf sei eine schlimme Krankheit ausgebrochen".
Gewisse Parallelen zur heutigen Zeit sind nicht von der Hand zu weisen. Dass diese schlimme Krankheit sich innert Stundenfrist auf dem Festgelände des Mittelalterevents auf ihrem Höhepunkt manifestiert ist ja wohl klar. Die Bekämpfung findet mittels eines Pestumzugs statt; danach ist das Festgelände entkontaminiert und man kann sich wieder getrost Wein, Weib und Gesang zuwenden. Immer mit dem Wissen, wieder einmal im letzten Moment "ab dem Karren gesprungen" zu sein.

Zurück zu Hause ist man froh sich dem stinkigen Kostüm zu entledigen und dieses einer modernen Waschmaschine zuzuführen und bei zu grossem Metkonsum eine Kopfschmerztablette einzunehmen. Danke Gegenwart.

3 Kommentare:

  1. Hallo Oll!

    Gehe einig mit Dir. Aber das ist halt so eine Sache mit den Bildrechten. Zwar gab es diese Probleme im Mittelalter noch nicht; aber eben "Danke Gegenwart".

    Ich hoffe auf Dein Verständnis, dass der Schwerpunkt auf dem Text liegt.

    Gruss Emmi

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  2. Das wäre ja auch zu schade, wenn man den Fotografen blenden oder ihm die Hand abhacken müsste, weil er Bildrechte verletzt hat ;)

    Grüsse
    Eggman

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