Ich hatte das Vergnügen an einer Weinwanderung teilzunehmen. Geradezu vorbildlich finde ich die Tatsache, dass das Ticket zur Veranstaltung gleichzeitig eine Tageskarte zur freien Benutzung des öffentlichen Verkehrs beinhaltet. Somit ist die Unvereinbarkeit zwischen Alkohol und motorisiertem Individualverkehr - zumindest organisatorisch - aus dem Weg geräumt.Die Veranstaltung weicht von einem Botellon - wie wir es beispielsweise aus Genf oder Münchenstein BL (Harassenlauf) kennen - merklich ab. Weitere Unterschiede gefällig? Das Trinken muss nicht selbst mitgebracht werden (oder noch besser mitgetragen werden), sondern wird beim jeweils nächsten Posten gekühlt angeboten. Wer zuerst oder zuletzt alle Posten abgelaufen ist, erhält keinen Preis. Da nicht ab der Flasche getrunken wird, bekommt jeder eine Umhängetasche - die einem an den Z'nünisack aus dem Kindergarten erinnert - umgehängt. Darin befindet sich ein Weinglas zur Mehrfachverwendung. Die leeren Flaschen werden durch die Betreiber des Postens fachgerecht entsorgt und nicht in Form von Scherben auf der Wiese verteilt. Auch die korrekte Verrichtung der Notdurft ist mittels ToiToi-Toilette gesichert. Die Besucher sind mehrheitlich friedlich gesinnt: Es wird gesungen, getanzt und gelacht.
Klar gibt es auch hier einige Ausnahmen, was die mit dem menschlichen Körper vereinbare Alkoholmenge anbelangt. Darum kümmern sich liebevoll die bereitstehenden Samariter. Sicherlich könnten wir jetzt eine Diskussion zum Thema Alkohol anreissen; aber ist es nicht schön mit Freunden bei einem Glas Wein auf dem Dorfplatz sitzend über dies und jenes zu philosophieren? Hier liegt vielleicht der engste Anknüpfpunkt zum Botellon ...
Und was macht die Jugend der "bewanderten" Dörfer? Diese setzt sich tatkräftig in der Organisation des Anlass ein. Sei es im Musikverein, Turnverein, als Fläschlibuebe (oder -maidli) und Ticketknipser. Ein Bravo an die "jung gebliebenen" Organisatoren.
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