Sonntag, 30. August 2009

Weinwanderung - Botellon für Erwachsene?

Ich hatte das Vergnügen an einer Weinwanderung teilzunehmen. Geradezu vorbildlich finde ich die Tatsache, dass das Ticket zur Veranstaltung gleichzeitig eine Tageskarte zur freien Benutzung des öffentlichen Verkehrs beinhaltet. Somit ist die Unvereinbarkeit zwischen Alkohol und motorisiertem Individualverkehr - zumindest organisatorisch - aus dem Weg geräumt.

Die Veranstaltung weicht von einem Botellon - wie wir es beispielsweise aus Genf oder Münchenstein BL (Harassenlauf) kennen - merklich ab. Weitere Unterschiede gefällig? Das Trinken muss nicht selbst mitgebracht werden (oder noch besser mitgetragen werden), sondern wird beim jeweils nächsten Posten gekühlt angeboten. Wer zuerst oder zuletzt alle Posten abgelaufen ist, erhält keinen Preis. Da nicht ab der Flasche getrunken wird, bekommt jeder eine Umhängetasche - die einem an den Z'nünisack aus dem Kindergarten erinnert - umgehängt. Darin befindet sich ein Weinglas zur Mehrfachverwendung. Die leeren Flaschen werden durch die Betreiber des Postens fachgerecht entsorgt und nicht in Form von Scherben auf der Wiese verteilt. Auch die korrekte Verrichtung der Notdurft ist mittels ToiToi-Toilette gesichert. Die Besucher sind mehrheitlich friedlich gesinnt: Es wird gesungen, getanzt und gelacht.

Klar gibt es auch hier einige Ausnahmen, was die mit dem menschlichen Körper vereinbare Alkoholmenge anbelangt. Darum kümmern sich liebevoll die bereitstehenden Samariter. Sicherlich könnten wir jetzt eine Diskussion zum Thema Alkohol anreissen; aber ist es nicht schön mit Freunden bei einem Glas Wein auf dem Dorfplatz sitzend über dies und jenes zu philosophieren? Hier liegt vielleicht der engste Anknüpfpunkt zum Botellon ...

Und was macht die Jugend der "bewanderten" Dörfer? Diese setzt sich tatkräftig in der Organisation des Anlass ein. Sei es im Musikverein, Turnverein, als Fläschlibuebe (oder -maidli) und Ticketknipser. Ein Bravo an die "jung gebliebenen" Organisatoren.

Sonntag, 23. August 2009

Im Tessin: Die Liebe im Freien unerwünscht

Eigentlich bin ich froh über die Kunde die die Zeitung Blick da verbreitet. Früher mussten die Gemeinden in Tessiner Tälern in der Nähe der Flussbetten Schilder aufstellen, die vor dem Tod durch Ertrinken warnten. Heute schliesst sich der Lebenskreis und der Staat will mit "Freie Liebe verboten - Schildern" bereits vor einem potentiellen Zeugungsakt einschreiten. Das ist Prävention in Vollendung.

Bei so viel Sonne können die Hormone - ob im Gemeindebüro oder im Freien - ernsthaft in Wallung geraten. Ich habe mich bereits kundig gemacht, wie die Strafe lautet, würde ich mich im Freien verlustieren. Der Tatbestand erfüllt ein "öffentliches Ärgernis" und/oder eine "sexuelle Belästigung". Wobei bei der sexuellen Belästigung diese in diesem Fall durch die Beteiligten erwünscht ist. Nur unbeteiligte Dritte können sich dadurch sexuell belästigt fühlen. Dennoch wirft das Thema weitere Fragen auf und kann zum Juristenfutter werden. Kann man dieses Sittenvergehen als Ordnungsbusse abhandeln oder droht gar eine Verzeigung? Wer hat die Busse zu bezahlen? Der Mann oder die Frau? Und bei gleichgeschlechtlichen Paaren? Die ältere oder die grössere Person? Oder gibt es hier gar eine Solidarhaftung und alle Beteiligten müssen die Zeche zahlen? Handelt es sich bei den Verbotsschildern um sogenannte Verkehrsschilder, obwohl man gerade diesen unterbinden will?

Es gibt aber auch Vorteile bei der Liebe im Freien, welche leider nicht genannt wurden. Um nur einige zu nennen: Es wird kein eigener Haushalt benötigt, allfällige menschliche Verschmutzungen sind 100% biologisch abbaubar und sollte es zu einer Niederkunft kommen, freut sich sogar unsere angeschlagene AHV.

Der nächste Winter kommt bestimmt, dann wird das Thema vom Tisch beziehungsweise aus dem Tal sein und wir können uns weiteren schwerwiegenden Themen annehmen. "Belästigen" sie zwischenzeitlich doch wieder mal ihren Partner (aber bitte in den eigenen vier Wänden und mit gezogenen Vorhängen).

Montag, 17. August 2009

... Nein, ich bin nicht zum Spass hier

Arztpraxen sind der ideale Ort für Blog-Stoff. Unendliche Spannung über Stunden im Wartezimmer. Wer ist der Nächste, wann komme ich dran, warum bekomme ich einen Termin und warum halte nur ich mich an diesen? Der eigentliche Höhepunkt ist das Gespräch zwischen Arzt und Patient, die Untersuchung des Patienten durch den Arzt, gefolgt vom Tatbestand einer schweren Körperverletzung (Blutentnahme) welche in der Regel durch ein lustiges Terminfindungs-Spiel abgerundet wird.

Ich dachte bisher, Menschen gehen zum Arzt weil sie irgendein Problem plagt, von dem sie denken, der Arzt könne dieses lösen. Persönlich würde ich liebend gerne auf jegliche weiteren Arztbesuche in meinem Leben verzichten, wenn mich nie mehr etwas plagen würde. Manchmal beschleicht mich jedoch das Gefühl, gewisse Ärzte meinen man komme mal eben zum Spass vorbei. Wie wenn man zufällig früher Feierabend hat und man den Kumpel mit der eigenen Garagenwerkstatt besucht und schaut, wie sich die diesjährige Produktereihe des neuen XYZ so präsentiert.

Hallo, mich plagt was, ich bin nicht zum Spass hier! Bitte suchen sie die Ursache und beheben sie diese nach Möglichkeit. Danke.

Denken wir immer daran: Jeder noch so gesunde Mensch ist auch Patient. Wenn wir in die Apotheke gehen und nur prophylaktisch vor einem Polterabend Kopfschmerztabletten kaufen, sind wir Patienten. Wenn wir beim Zahnarzt zur periodischen Kontrolle gehen, sind wir bereits Patienten, wenn wir die Türklingel betätigen. Selbst wenn wir uns mit dem Telefon verwählen und sich eine Arztpraxis meldet, sind wir Patienten. Da muss man ja krank werden.


Sonntag, 9. August 2009

Anstelle von Geld Gold waschen

Ein Freund zitierte eine Studie die besagt, dass wenn es früheren Gesellschaften finanziell schlecht ging, sich diese vermehrt dem Goldwaschen widmeten. Jetzt beginne ich mich allmählich um meine Finanzen zu sorgen, ich habe Gold gewaschen. Und dies auch noch unter professioneller Anleitung zweier alter Hasen. Alt nur in Bezug auf die Erfahrung im Goldwaschen.

Gleich vorweg kann ich mitteilen: Ich wurde unglaublich reich. Reich an Erfahrung, reich an Mückenstichen, reich an Rückenschmerzen und reich an Frustrationstoleranz.

Wir treffen uns in einer lockeren Gruppe in einem Ort der Zentralschweiz, wo sich nebst den Goldwäschern auch der Fuchs und Hase gute Nacht wünschen. Dann das erste Highlight, der steile Abstieg in das Bachbett. Bereits jetzt fühlt man sich in die tiefste Kindheit zurückversetzt. Die Kleider und Schuhe haben einen derart hohen Verschmutzungsgrad, dass unsere Mütter sofort im Chor getobt hätten. Da es aber eine Männerrunde war, war keine potentielle Mutter da, die hätte toben können. Zudem sind wir alle emanzipiert und waschen unsere Kleider - inklusive der Schuhe - selbst.

Bewaffnet mit Schaufel, Sieb, Schleuse und Pfanne machen wir uns auf die Suche nach den letzten verborgenen Schätzen der Schweiz. Wir sind wie folgt vorgegangen. Einen geeigneten Ort für den Aushub des vom Gold zu befreienden Materials suchen. Die dazu angewandten Auswahlkriterien sind natürlich streng geheim und werden nicht preisgegeben. Ist dieser Ort erstmal gefunden, wird geschaufelt was das Zeugs hält, beziehungsweise der Bach hergibt. Das Schaufelgut wird grob gesiebt, gewaschen und dann mit Hilfe der sogenannten Schleuse der letzten Filterung zugeführt. Den kumulierten Rückenschmerzen des nächsten Tags zufolge, habe ich mit meinem Teamkollegen mindestens eine Tonne Aushub, wenn nicht sogar mehr, von diesem Bachbett umgesetzt.

Der erste Erfolg zeichnet sich kurz nach der Grillpause am Mittag ab. Ist doch tatsächlich so ein winzig kleines Goldplättchen in unserer Schleuse hängen geblieben. Eigentlich hätte ich mich viel lieber auf Goldnuggets konzentriert. Die sind erstens von blossem Auge besser zu erkennen und haben aufgrund des höheren Gewichts einen höheren Marktwert. Nur so zur Information, welche auf der Zunge vergeht: Zur Zeit beträgt der Goldpreis CHF 33'225.- pro kg (Quelle: Tages-Anzeiger Online / Newsnetz, Zürich). Am Ende des zweitägigen Abenteuers waren es zehn Goldplättchen pro Person (siehe Foto "Aus-Beute"). Zum Glück ist die persönliche Erfahrung noch nicht börsenkotiert und kann einem nicht weggenommen werden. Ich wünsche viel Vergnügen beim Geld ... eh Gold waschen.

Sonntag, 2. August 2009

Mittel Alter

"Oh, der Recke scheint hungrig und lüsternen Gemütes zu sein." Wie bitte? Dabei wollte ich ja nur eine Ritterstange (längliches Brezelgebäck) erwerben und habe versehentlich mit der Maid (Dame) hinter dem Tresen ein wenig geflirtet. Nun ja, mit drei der Goldtaler weniger und einem hochroten sowie gesenkten Haupt zog ich von dannen.


So kann's
einem gehen, wenn man in Sachen Mittelalter-Event noch nicht allzu geübt ist. Aber man kommt schnell rein - wenn man denn will. Am besten gelingt der Einstieg in dem man selbst in eine Rolle schlüpft. Mein Kostüm besteht aus einem Landsknecht-Hemd (zweifarben, lasziv-locker gebunden), einer schwarzen Leinenhose und einem Umhang mit Guggel (nein, nicht die Suchmaschine), welcher bis knapp über den Boden reicht. Mein mittelalterliches Modebewusstsein zeugt leider nicht gerade von einem hohen Stand, weshalb ich mich künstlich mit einem silbernen Drachenamulett, an einem Lederband hängend, aufgepimpt habe.

Gewisse Vorteile des Zeitsprungs in's Mittelalter sind nicht von der Hand zu weisen. Kein Handy oder Push-E-Mail, welches einem von einer Pöbelei mit einem anderen Heerlager oder dem bereits erwähnten Flirt mit der Schankmaid abhaltet. Speisen dürfen - ja müssen sogar - von Hand gegessen werden. Krischbier, Met und andere Wässerchen können ohne Grund auch auf den Tresennachbar verschüttet werden. Unter dem Mittelalter-Kostüm darf hemmungslos geschwitzt und darüber gestunken werden. Kurzum wenn man nicht gerade als edler Ritter - wie langweilig - unterwegs ist, kann man seine Manieren getrost zu Hause lassen; sofern man den welche hat.

Die dunklen Seiten des Mittelalter bahnen sich durch den beiläufigen Satz des Nachtwächters an: "Man höre im Nachbarsdorf sei eine schlimme Krankheit ausgebrochen".
Gewisse Parallelen zur heutigen Zeit sind nicht von der Hand zu weisen. Dass diese schlimme Krankheit sich innert Stundenfrist auf dem Festgelände des Mittelalterevents auf ihrem Höhepunkt manifestiert ist ja wohl klar. Die Bekämpfung findet mittels eines Pestumzugs statt; danach ist das Festgelände entkontaminiert und man kann sich wieder getrost Wein, Weib und Gesang zuwenden. Immer mit dem Wissen, wieder einmal im letzten Moment "ab dem Karren gesprungen" zu sein.

Zurück zu Hause ist man froh sich dem stinkigen Kostüm zu entledigen und dieses einer modernen Waschmaschine zuzuführen und bei zu grossem Metkonsum eine Kopfschmerztablette einzunehmen. Danke Gegenwart.